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Q&As Bürgerdialog Landkreis Anhalt-Bitterfeld 18.02.21

Welche Maßnahmen/Förderungen sind direkt für Energie und Wärmewende gedacht?

Energie- und Wärmewende nehmen eine besondere Rolle im Strukturwandel ein. Im Leitbild für das Mitteldeutsche Revier ist die treibhausgasneutrale Energiewirtschaft fest verankert. Die Maßnahmen im Bereich Energie für den Strukturwandel sollen vor allem darauf abzielen, gesicherte Stromerzeugungskapazitäten bereitzustellen, erneuerbare Energien, Fernwärmenetze und dörfliche Energiequartierskonzepte auszubauen, die Wasserstoffwirtschaft einschließlich Sektorenkopplung und Wasserstoff-Kreislaufwirtschaft zu fördern und in flexibles Lastmanagement zu investieren. Die Rahmenbedingungen für entsprechende Maßnahmen werden auf Landesebene und in enger Abstimmung mit den Gebietskörperschaften im Revier entsprechend dem Strukturentwicklungsprogramm erarbeitet. Mit Förderung durch den Bund ist u. a. das Kompetenzzentrum Wärme in Planung, um Kommunen bei der Umsetzung der Wärmewende zu unterstützen. Einen großen Raum nimmt auch die Wasserstoff-Förderung ein. Hier sei das Projekt „Energiepark Bad Lauchstädt“ genannt.

Wie wäre es, außer an Wasserstoff auch über Methanol zu denken? Das lässt sich aus organischen Reststoffen herstellen, in Brennstoffzellen verwenden und die Infrastruktur ist mehr oder weniger schon vorhanden.

Neben Wasserstoff sind auch dessen Derivate wie Methanol oder Ammoniak wichtige Bestandteile eines zukünftigen an Nachhaltigkeit ausgerichteten Energiesystems. Die CO2-neutrale Herstellung von Methanol, sei es aus Biomasse oder erneuerbarem Strom (Power-to-Methanol), wird bereits in Sachsen-Anhalt diskutiert. Beispielsweise gibt es konkrete Planungen der TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland, mittels Hochtemperaturelektrolyse und CO2-Abscheidung CO2-neutrales Methanol herzustellen (Projekt E-CO2MET), sowie Überlegungen für eine Power-to-Methanol-Anlage in Zeitz. Das globale Potential von grünem Methanol wurde auch kürzlich in einer Studie der IRENA (Internationale Organisation für erneuerbare Energien) zusammengefasst.

Grüner Wasserstoff benötigt erhebliche Energieumwandlung, also Wind und Sonne. Aus der Region? Importierte Energie?

Eine Vor-Ort-Herstellung grünen Wasserstoffs wird als bevorzugte Versorgungsmöglichkeit, gerade zu Beginn des Markthochlaufes, angesehen. Folglich geht damit die Notwendigkeit des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien zur Erzeugung von grünem Wasserstoff in Sachsen-Anhalt einher. Dafür sollen neue Flächen für die Erzeugung erneuerbarer Energien in den Regionalplänen und im Landesentwicklungsplan berücksichtigt und entsprechend ausgewiesen werden. Der Aufbau einer CO2-freien Wasserstoffwirtschaft und die lokale Herstellung von Wasserstoff werden als Chance für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesehen. Mittel- und langfristig wird es notwendig sein, Sachsen-Anhalt in ein europäisches Wasserstoffnetz einzubinden, da der hohe Wasserstoffbedarf in der Industrie sehr wahrscheinlich nicht vollständig durch das Erneuerbare-Energien-Potential der Region abgedeckt werden kann.

Bis 2050 alles Treibhausgas neutral betreiben - das bedeutet aus der Müllverbrennung raus - Wie will man mit dem Müll umgehen?

Der Green Deal selbst, der das Ziel vorgibt, im Jahr 2050 keine Netto-Treibhausgasemissionen mehr freizusetzen, zeichnet den Weg vor. Denn der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft ist einer seiner wichtigsten Bausteine. Er enthält Maßnahmen, die sich über den gesamten Lebenszyklus von Produkten erstrecken. Zum Beispiel sollen diese länger nutzbar sein und repariert oder recycelt werden können. In dem Maße, wie es gelingt, diese Strategie in die Praxis umzusetzen, wird die Rolle der Müllverbrennung im Rahmen abfallwirtschaftlicher Konzepte sinken. Letztlich geht es dann vordergründig nicht um die Frage, wie gehen wir mit dem Müll um, sondern wie können wir endliche Ressourcen am effizientesten nutzen.

Gibt es Überlegungen zur Reaktivierung von Eisenbahnstrecken?

Vorschlag aus der Region Bitterfeld/Zörbig:

- Reaktivierung Teilabschnitt Zörbig – Stumsdorf und Sanierung Bitterfeld-Zörbig für den Schienengüterverkehr und Wiederherrichtung Anschlussweiche im Bf. Stumsdorf

- Neue Gewerbegebiete in Zörbig geplant um Arbeitsplätze zu schaffen -> weiteres Potenzial durch Gewerbeansiedlungen die Schiene für den Güterverkehr zu nutzen

- S-Bahn Projekt: (Aken-) Köthen-Sandersdorf-Bitterfeld (-Leipzig)

- Schaffung einer Bahnverbindung zwischen den Städten Köthen und Bitterfeld mit Anschluss in die Leipziger Metropole

Die Vorstellung einer Verlängerung des mitteldeutschen S-Bahn-Systems über Bitterfeld hinaus nach Sandersdorf, Zörbig und Köthen ist zunächst aus raumstruktureller Sicht nachvollziehbar und würde diesbezüglich interessante langfristige Effekte ergeben.

Allerdings ist das Nachfragepotential dieser Verbindung im Gegensatz zu anderen diskutierten Relationen deutlich geringer. Zudem bestünde ein sehr hoher Aufwand für die Herrichtung bzw. den Neubau der Gleis- und Stationsinfrastruktur sowie für den Betrieb der Verbindung. Die Finanzierbarkeit ist derzeit nicht gegeben.

Es soll aber in einer Potenzialanalyse vertiefend geprüft werden, ob der Vorschlag in die langfristig zu verfolgenden Projekte aufgenommen wird.